Lebe wohl Vater

Wenn Zuckerwatte auf einmal Dornen hat

Dann hat man schmerzhaft zu schlucken.

Es wurde einmal mehr etwas stiller auf meinem Blog. Diese Stille hielt auch Einzug in meinen Alltag und in vielen Momenten funktionierte ich über meine eigenen Kräfte hinaus. Die vergangenen zwei Wochen waren nicht immer einfach. Am 14. Juni jährte sich der Todestag meines Vaters nun schon zum sechsten Male, aber das Gefühl bleibt stets frisch. Vor sechs Jahren wurde mir die Nachricht seines Todes überbracht. In einem Moment „wie Zuckerwatte“ kamen sie daher. Die unzähligen Dornen, die bis ins Hier und Jetzt die feine und pudrige Hülle des „Glücklich seins“ durchstießen und nicht mehr schwinden könnende Narben, Spuren und Schmerzen hinterlassen.

 Claus Hass Vater Erinnerung Todestag Zuckerwatte

Heute ist kalendarischer Sommeranfang – ein guter Tag für eine Nette Geste & eine schöne Erinnerung

Ein Vater, der von Herzen geliebt hat, sich nach bestem Wissen und Gewissen aufopferte und am Ende vor dem Leben kapitulierte, hinterlässt eine nicht wieder schließbare Lücke in meinem Herzen. Diese Lücke habe ich zeitweise mit den unterschiedlichsten Mitteln zu flicken versucht. Seine Stimme auf einer Handymemo. Sein Geruch in seiner Wolljacke. Sein Aftershave auf einem Taschentuch.  Und ich habe sogar seinen Namen bei Google eingegeben. In seiner Trauer macht der Mensch die „verrücktesten“ Dinge.

Claus Hass Livingston Western Club gEVEin neuzeitlicher Satz besagt:“Du bist niemand, wenn Google dich nicht findet!“ und den Satz kann man mit einem lachenden Auge betrachten. Aber nicht, wenn ich gerade einen traurigen Tag habe und es kaum ertrage, wenn eine Suche in eine endlose Leere verläuft oder dass niemand mehr die Erfahrung machen wird, wer er war oder wie er war. Wenn ich nach meinem Vater gesucht habe verlief das Ergebnis ins Leere oder endete auf der Todesanzeige.  Aber mein Vater war doch mehr, als nur eine Todesanzeige!  Und mit dem heutigen Tage wird er das auch öffentlich sein! Denn jeder der ab heute den Namen meines Vaters in eine Suchmaschine tippt und hier her geführt wird, dem möchte ich sagen:“Schaue her! Das ist Claus Hass. Das ist mein geliebter Vater. Er war nicht – er IST!“

Claus Hass – Ein 1939 geborener Mann mit einem sagenhaften Humor, einem großen Herzen und Visionen, die ihm gerne auch einmal im Wege standen. Ein Mann mit seiner ganz eigenen Art, die Dinge zu sehen. Ein Vater, der seinem Kind einen ganz besonderen Spruch im Schüler-Poesiealbum hinterlassen hat.  Ein Gedicht, über das die Mitschüler lachten und über das ich nach 31 Jahren immer noch mehr als nur Freude empfinde:

Glücklich und voll Freude schreib‘ ich

in dies Buch Dir ein Gedicht;

Glücklich und voll Freude bin ich,

denn du bist mein Licht!

Ich denk‘ an Dich! – Dein Vati

Er wäre gern „Ein Mann in den Bergen“ gewesen und zahllos zitierte er den Satz „Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses.

Auch wenn mich diese Zeilen aktuell gerade Kraft kosten, so habe ich wieder einen kleinen neuen Flicken auf meine Herzwunde setzen können und vielleicht werde ich diesen Beitrag eines schönen Tages erweitern. Aber  für den Moment sage ich

Zuckerwatte Claus D.R.A. Hass

Dein „Mupsich“

 

 

 

13 Gedanken zu “Wenn Zuckerwatte auf einmal Dornen hat

  1. limalisoy schreibt:

    Bin gerade richtig betroffen, weil ich heute auch daran dachte, einen weiteren Beitrag in Erinnerung an meinen Vater zu schreiben. Bislang habe ich mit „und ich wollte noch Abschied nehmen“ (limalisoy.de) zwar schon einen emotionalen Beitrag geschrieben, dachte aber auch daran, weitere Erinnerungen aufleben zu lassen. Es erstaunt mich gerade richtig, dass ich just heute darüber nachgedacht habe und dann diesen wunderschönen Artikel bei dir lese… Toll geschrieben!!!

  2. Josephine schreibt:

    Mir fehlen ein bisschen die Worte- egal, was ich schreibe, es bringt niemanden zurück und kann dich auch nicht trösten. Trotzdem: Ein wirklich berührender Beitrag mit einem schönen Gedanken darinnen. Wirklich schön

    • MissTique schreibt:

      Liebe Carolin,
      ich wollte mich schon längst für deinen Kommentar bedanken.
      Ob ich damit der Welt etwas von der Liebe mitgeben wollte, ist fraglich.
      Das meine ich sogar ernst. Ich frage mich das gerade selbst. Das war gar nicht meine
      Intention. Irgendwie ist es ein „in Liebe aus Frust der Endlichkeit gegenüber etwas mitteilen“.
      Aber interessant und vielleicht sogar schön, wenn es so rüber kommt.
      Ganz liebe Grüße,
      Tanja

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